Panel öffnen/schließen

Eine Diva, die Ohren und Herzen berührt

Annemarie Hagn und die Obermüller Salonherren geben Sommerkonzert im rappelvollen Altwirtsaal

 

Vier Musikanten, die bestens harmonieren: Annemarie Hagn mit ihren Begleitern (v.l.) Florian Burgmayr, Georg Obermüller und Christoph Bencic. Foto: tp

Warngau – Wie schafft man es, an einem lauen Sommerabend mitten in den Pfingstferien den Altwirtsaal mit 110 Besuchern rappelvoll zu bekommen? Die Antwort: Annemarie Hagn und die Obermüller Salonherren aufs Programm der Reihe „Kultur in Warngau“ setzen.

Tatsächlich gelang es dem Valleyer Original am Samstag zusammen mit Georg Obermüller (Klavier), Christoph Bencic (Geige) und Florian Burgmayr (Tuba und Kontrabass), ein Konzert aus dem Hut zu zaubern, das Ohren und Herz gleichermaßen berührte und immer wieder die Lachmuskeln trainierte.

„Geliebtes Leben mit Schwung und im Dreivierteltakt“ nannte Hagn (selbst an Gitarre und Diatonischer) das Programm. Geschickt wechselte sie zwischen altbayerischem Liedgut, sang „In die Berg, da bin i gern“ und den „Boarischen Hiasl“, aber auch Operettenmelodien wie „Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden“, und Modernes wie „What a Wonderful World“ mit ihrer gewinnenden Altstimme.

Das Lied „Ich bin der Page von Burgund“ habe ihr Pater Nikolai einst auf ihren Kassettenrekorder gesungen und nahegebracht. Sie pflege es nun als selbst ernannte „Adelsexpertin“ weiter. Ihren langjährigen Weggefährten Walter Mies bat sie ebenso zu einem gemeinsamen Duett auf die Bühne wie ihre Schwägerin Veronika.

Annemarie Hagn verkörpert eine Mixtur aus Volkssängerin, Chansonnette, Musikkabarettistin und Diva im positiven Sinn. Ihre überbordende Lust an Spiel und Gesang überträgt sie auf das Publikum. Musikalisch wurde Hagn weich und sicher eingebettet von Obermüller, Bencic und Burgmayr – drei Meister auf ihren Instrumenten und bestens eingespielt. Sie begleiteten spritzig, glänzten aber auch solistisch. Zahlreiche Eigenkompositionen wie Obermüllers „Maibockwalzer“ oder „Tropfbiergalopp“, Burgmayrs „Schlawiner“, „Quarten-Schubser“ oder „Babsi-Bossa“ und viele mehr erwiesen sich als Perlen. „Da brauch‘ ma uns ned schama“, bemerkte Annemarie Hagn. Christoph Bencics Version vom „Dritten Mann“ auf seiner (Teufels-)Geige war alleine das Eintrittsgeld wert.

Ohne Humor geht nichts bei Hagns Auftritten. Immer wieder streut sie witzige und schräge Zwischentexte ein, Spontanes und Geplantes. „Die drei schönsten Frauen von München? Die AnaTomie, die ResiDenz und die PinaKothek.“ Um wieder ernst zu werden: Sie folgte ihrem Vorbild Joan Baez, der großen amerikanischen Folk-Sängerin, und spielte mehrmals für die Insassen in der Gefängniskirche Stadelheim. „Da hängt nix an der Wand, des waar glei weg.“

Freilich geht es der Sängerin mit Leib und Seele nicht nur um die Gaudi. Sie gibt sich zur rechten Zeit nachdenklich und spricht Themen an, die ihr wichtig sind, wie Soziales und Umwelt. Und dass sie auch Eigenes auf die Beine stellen kann, bewies Hagn mit dem Jodler „1001 Nacht“ und mit dem Schlusslied „Ein Gruß in die Nacht hinein“.

„Zum Schluss ein Kuss“ hieß es passend am Ende dieser dritten Zugabe. Damit entließ sie zusammen mit ihren drei „Mannsbuidern“ das Publikum beschwingt in die immer noch laue Sommernacht. REINHOLD SCHMID