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Am 06.12. und 08.12. fanden im Rahmen "Klassik im Advent" zwei Konzertabende mit Amadeus Wiesensee statt

Konzert am 06.12.2018
mit Amadeus Wiesensee
und Ansgar Theis
Die Moderation übernahm am 08.12.
Prof. Martin Maria Krüger

Konzert am 06.12.: Das Kunstlied lebt noch

LIEDERABEND - Ansgar Theis und Amadeus Wiesensee berühren das Publikum in Warngau

VON REINHOLD SCHMID (Holzkirchner Merkur, 08.12.2018)

Warngau – In diesem Jahr begeht die von Jakob Weiland ins Leben gerufene Reihe „Kultur in Warngau“ ihr Zehnjähriges. Seitdem immer dabei: der junge Pianist Amadeus Wiesensee, der in Waakirchen aufwuchs. Zum Jubiläum gibt der Ausnahmepianist, der mittlerweile in ganz Europa konzertiert, gleich zwei Konzerte im Warngauer Altwirtssaal: an diesem Samstag um 19 Uhr solistisch mit „Klassik im Advent“; und bereits am Nikolaustag war er zusammen mit Bariton Ansgar Theis mit einem Liederabend zu Gast. 60 Interessierte gönnten sich den berührenden Abend.

 Kein Geringerer als Altbundespräsident Roman Herzog urteilte über den gerade 25 Jahre alt gewordenen Wiesensee mit dem bezeichnenden Vornamen: „Noch nie hat mich ein Klavierspiel so berührt.“ Der so Gelobte fungierte gleichzeitig als Moderator. So betonte er, dass das Kunstlied eher ein Schattendasein führe, ohne große Showeffekte wie etwa Opernproduktionen. Zu Unrecht, meint Wiesensee, die kleine Form sei halt intimer, leiser, aber deswegen nicht weniger bedeutsam. Nur so könne die menschliche Dimension in voller Blüte herausgearbeitet und in voller Emotionalität die tiefen Schichten der Seele angesprochen werden. Den Gesangspart übernahm der ebenfalls erst 24-jährige Bariton Ansgar Theis, der zusammen mit Wiesensee im Liedduo als Stipendiaten bei der Yehudi Menuhin-Stiftung Live Music Now aufgenommen wurde.

 Mit Robert Schumanns 16-teiligem Liedzyklus „Dichterliebe“ nach Gedichten von Heinrich Heine stand die erste Hälfte des Abends ganz im Zeichen der Romantik. Das junge Duo, das sich geradezu blind zu verstehen schien, bewältigte die darin beschriebene, etwa halbstündige Gefühlsachterbahn mit den großen Themen Liebe und Natur mit hoher musikalischer Klasse und Reife und der Souveränität von Künstlern, die schon 50 Bühnenjahre auf dem Buckel haben. Vom überschäumenden Liebeserwachen über die qualvolle Phase der Zurückweisung bis zur Depression des unglücklich Liebenden: All diese Gefühlszustände interpretierten die beiden Musiker überzeugend in bewegenden Liedern wie „Im wunderschönen Monat Mai“, „Hör ich das Liedchen klingen“ oder „Ich hab‘ im Traum geweinet“. Dabei glänzte der Sänger mit einer voluminösen Stimme von enormer Kraft und leiser Zartheit zugleich, der Pianist in Begleitung, Vor- und Nachspielen mit gleichermaßen gefühlvollem wie energischem Spiel.

 Mit drei von Claude Debussy vertonten Gedichten des symbolistischen Dichters Stéphane Mallarmé wechselten nach der Pause die Klangfarben, erklangen in Musik umgesetzte Assoziationen und Farben aus der Welt des Traums und der Natur. Bei der „unmittelbaren Sprachmächtigkeit“, von denen die Gedichte von Friedrich Rückert geprägt sind, „konnte Gustav Mahler nicht anders, als sie zu vertonen“, erklärte Wiesensee. „Blicke mir nicht in die Lieder“ und „Ich bin der Welt abhandengekommen“ heißen zwei davon, von denen Letzteres endet mit „…ich leb‘ allein in meinem Himmel, in meinem Liede, in meinem Ich“.

 Das galt auch für einen großen Teil der Zuhörer: Sie hatten den Kopf auf die Brust gesenkt, ganz bei sich und sich komplett dem Gesang und dem Klavierspiel wie aus einer anderen Welt hingegeben. Als einer anfing, sich beim Schlussapplaus zu erheben, taten viele es ihm gleich. Zugabe: keine – welche sollte darauf schon passen?

Konzert am 08.12.:  Der Mystiker am Klavier

 „Einfach mystisch, magisch, faszinierend, sprachlos“, Worte, die man nach diesem Konzertabend immer wieder hörte.
 
Einmal mehr begeisterte Amadeus Wiesensee nach dem Liedabend am Donnerstag mit seinem Soloabend im restlos ausverkauften Altwirtssaal in der Reihe „ Kultur in Warngau“, die, von Jakob Weiland in’s Leben gerufen, heuer 10 jähriges Jubiläum feierte. Es geht ihm nicht darum, mit Virtuosität oder Oberflächlichkeit zu beeindrucken, nein es geht ihm darum, wie Prof. Martin Maria Krüger in seiner großartigen Moderation betonte, die Musik durch seine Ratio und seine besondere persönliche Beseelung so erfahrbar zu machen, um uns eine Ahnung von der Welt zu geben, die wir nicht sehen.
 
Der Jungstar ist in der Pianistenszene eine herausragende Ausnahme, auch, da er nebenbei ein abgeschlossenes Philosophiestudium hat und das spürt und hört man durch seine Verinnerlichung, die er ausdrückt. Debussys Images glich einer Meditation, zwei Präludien und Fugen aus dem wohltemperierten Klavier Band II von Bach, die man nicht so häufig hört, mit einer atemberaubenden Gestaltungskraft, Mendelssohn-Bartholdy Variations serieuses voll innerer Spannung und einer atemberaubenden Technik und die grandiose Beethoven-Sonate As-Dur op. 110, die er so eindrucksvoll interpretierte, wie man sie selten hört. 
  
Zum Jubiläum hatte er die Uraufführung „Im Blick der Bilder“ vom Hamburger Komponisten Wolfgang-Andreas Schultz im Gepäck, die ein neues und wunderbares Klangerlebnis war, inspiriert durch Gemälde von Claude Lorrain, Jacopo Tintoretto und Caspar David Friedrich. Amadeus Wiesensee ist ein Musiker, der für seine Leidenschaft brennt und sich gerne auch zeitgenössischen Werken widmet. Standing Ovations und Bravorufe, wofür er sich mit zwei hinreißend gespielten Kinderszenen von Robert Schumann als Zugabe bedankte.

Hier der Link zur Kulturvision:

https://www.kulturvision-aktuell.de/amadeus-wiesensee-ansgar-theis-romantischer-liederabend-altwirtsaal-warngau-2018/