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Wie Balsam für die Seele

Musiker des Bayerischen Staatsorchesters spielen mit der charakteristischen Akustik in Allerheiligen

 

Von Johanna Wieshammer

 

Warngau – Schon als Michaela und Reinhard Schmid ihr Cello und ihren Kontrabass nur stimmten, reflektierten die Wände der Warngauer Kirche Allerheiligen satte Klänge. Ein Vorgeschmack, auf ein Konzert „auf höchstem Niveau“, wie Jakob Weiland als Kulturbeauftragter der Gemeinde Warngau ankündigte. Im Zweijahresrhythmus treten Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters München im Rahmen der Reihe Kultur in Warngau in der Wallfahrtskirche mit ihrer charakteristischen Akustik auf. Auch heuer blieb kaum ein Platz leer.

Maximal drei Instrumentalisten spielten jeweils gleichzeitig, damit jedes Instrument einmal im Rampenlicht stehe, verkündete Reinhard Schmid. „Beim Kontrabass ist das selten“, fügte er hinzu – und ließ sein Instrument mit dem sauber ziselierenden Cembalo flirten.

Im Solo für Cembalo „Cluster’s Last Stand“ ließ Carmen Jauch die Hände über die Tasten fegen und entlockte dem Instrument ein hochkomplexes Geflecht feiner Töne. Das moderne Werk von Dan Locklair aus dem Jahr 1989 stellte einen Ausreißer dar, die anderen Werke des Abends entstanden im Barock. Für die barocke Originalbesetzung Violine, Bass, Oboe, Cello und Cembalo gebe es „so viel Literatur“, sagt Oboist Gottfried Sirotek. Diese „uner-schöpfliche Quelle“ böte noch Stoff für die nächsten 20 Male, sagt er lachend.

Ein besonders fragiles Klanggebilde schufen Geige und Cembalo im Duett mit Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate in g-Moll. Dorothee Keller-Sirotek strich butterweich und gefühlvoll über die Saiten. Die beiden ernteten besonders heftigen Applaus. Zwei Mal kam die Warngauerin Johanna Betzinger aus der Sakristei auf die Bühne. Ihr Sopran durchschnitt messerscharf die kühle Kirchenluft, als sie sang „Wenn die Frühlingslüfte streichen“.

Zum Schluss spielten alle Musiker gemeinsam eine Sonate in A-Dur von Georg Philipp Telemann. Die Musiker harmonieren perfekt in ausgewogener Klangschönheit, maximiert durch die Akustik der Kirche. In Räumen wie Allerheiligen klingt die Musik besonders einnehmend, schwingend und nachhallend von allen Seiten. „Balsam für die Seele“, sagt Weiland. Allerdings hat alles seinen Preis: Vor zwei Jahren hätten Zuhörer rückgemeldet, dass in den mittleren Reihen und auf der Empore die Klänge arg verschmelzen. Deshalb wurde diesmal vor dem Altar extra eine Bühne aufgebaut. So waren die Musiker näher an den Zuhörern, es kamen klarere Klänge im gesamten Kirchenschiff an, sagt Weiland zufrieden. „Es macht einfach Spaß“, fügt Sirotek an, in einer Kirche zu spielen, die „so einen Charakter hat“.