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Maibaumaufstellen

Zum ersten Mai einen Maibaum aufstellen, ist ein alter Brauch. Woher er kommt und wie weit er zurückzuführen ist, weiß man nicht bestimmt. Vielleicht ist heute der Maibaum ein Ersatz für die Dorflinden und -eichen, unter deren mächtigen sprießenden Kronen sich mit Beginn des Frühlings ehemals die Dorfjugend versammelte und mit Tanz und Gesang die holde Marienzeit begrüßte und so ihre Freude über die Auferstehung der Natur zum Ausdruck brachte.

Da mit der der Zeit diese Dorflinden und -eichen aus dem Dorfbild verschwanden und damit ihre Bedeutung für das Dorfleben verloren - waren sie doch lange Zeit Versammlungsort und auch Gerichtstätten der Dorfältesten und froher Treffpunkt der Dorfjugend - so hat man als Ersatz den Maibaum aufgestellt.

Auch in unserer Gemeinde wird der Brauch des Maibaumaufstellens noch gepflegt. Alle 4 bis 5 Jahre, je nachdem die Witterung das ehemals schmucke Aussehen des Maibaums verändert hat, wird ein neuer Baum aufgestellt. Meist stiftet diesen der Wirt oder ein Bauer.

Die Arbeit des Fällens und Entrindens, den Transport und das Aufstellen des Baumes übernimmt seit langem der Trachtenverein.

In der Zeit vor dem Aufstellen, in der er hergerichtet werden muß, ist der Baum gefährdet. Da gilt es, ihn Tag und Nacht zu bewachen, damit er von den Nachbarn nicht gestohlen wird. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gelingt es aber immer wieder, daß Burschen eines Nachbardorfes sich seiner bemächtigen. Gelingt es ihnen dabei, trotz Bewachung und Sicherung, den Baum bis zur Flurgrenze des Dorfes zu bringen, dann gilt der Diebstahl als gelungen, und die Bestohlenen müssen den Baum auslösen.Das Lösegeld besteht meist aus einem Hektoliter Bier, das dann im Dorfwirtshaus in gemeinsamer Fröhlichkeit vertrunken wird. Das Maibaum-Stehlen ist kein "strafmäßiges" Delikt.

Der Maibaum wird von sachkundigen Händen geschmückt: der Stamm wird weißblau geringelt und mit Figuren versehen. Ein Schild mit dem Spruch: "Treu dem guten alten Brauch", kündet von der Tradition.

Das Aufstellen des hohen Maibaums muß gekonnt sein. Kräftige Männerarme bringen mit den "Schwaibeln", das sind Stangenzangen, den schweren Baum in die senkrechte Lage, bis er in der vorgesehenen Halterung fest verankert wir.

Quelle: Geschichte und Chronik der Gemeinde Warngau von Franz Ebert

Leonhardiwallfahrt nach Allerheiligen

Weithin bekannt ist die Wallfahrtskirche Allerheiligen heute als Ziel der alljährlich am vierten Sonntag im Oktober stattfindenden Warngauer Leonhardiwallfahrt. Sie gilt als eines der wichtigsten Ereignisse der altbayerischen Brauchtumspflege in unserer Gemeinde. Bauern, Pferde- und Viehbesitzer aus den umliegenden Ortschaften, Reiter, Kutscher und die Honoratioren sammeln sich in einem langen Festzug rund um die Kirche zu Ehren des heiligen Leonhard.

Der Einsiedler und Klostergründer aus dem 6. Jahrhundert (Kloster Noblac bei Limoges, Frankreich) gilt als Schutzpatron der Pferde und des Viehs und wird in manchen Regionen zu den Nothelfern gezählt.

Der Brauch war auf dem Gebiet der Gemeinde Warngau bereits 80 Jahre lang nicht mehr geübt worden, als er 1983 von einem eigens dafür gegründeten Leonhardikomitee wieder ins Leben gerufen wurde.

Höhepunkt der Veranstaltung ist wie in alter Zeit der gemeinsame Gottesdienst unter freiem Himmel auf der Wiese direkt vor der Kirche.

Herrliche Pferde, prächtig geschmückte Gespanne und Wagen, festliche Trachten und eine stetig wachsende Zahl an Zuschauern bieten den entsprechenden Rahmen für dieses herausragende Ereignis im Gemeindeleben.

Bilder von der Leonhardiwallfahrt 2016